Unser neuer Podcast "Feldforschung"

Aus dem Leben gerissen: Seit 2020 kämpft diese 21-jährige Bambergerin gegen Post-Covid-Erkrankung

Lea-Verena Meingast

Redakteurin NN.de

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8.4.2024, 14:52 Uhr
Anina (21) aus Bamberg: Als junge Frau stand sie mitten im Leben. Nach dem Abitur beginnt sie einen Workaway-Auslandsaufenthalt in Irland. Dort infiziert sie sich im Oktober 2020 mit dem Coronavirus und leidet seither mit schweren Beschwerden unter dem Post-Covid-Syndrom.

© privat Anina (21) aus Bamberg: Als junge Frau stand sie mitten im Leben. Nach dem Abitur beginnt sie einen Workaway-Auslandsaufenthalt in Irland. Dort infiziert sie sich im Oktober 2020 mit dem Coronavirus und leidet seither mit schweren Beschwerden unter dem Post-Covid-Syndrom.

"Seit über 800 Tagen hat meine Tochter das Bett nicht verlassen", schildert Stefan Decker. Die 21-Jährige Anina leidet seit über zwei Jahren unter dem Post-Covid-Syndrom. In der schlimmsten Phase hat sie keinerlei Kraft, bewegt sich kaum und hat mit Fatigue, Brainfog und starken Kopfschmerzen zu kämpfen.

"Die Energie hat nicht mal zum Essen gereicht. Sprechen konnte sie nur ein paar Worte, geflüstert, über den Tag verteilt." Licht und Geräusche mussten reduziert werden. Sie verlor so viel Gewicht, dass sie kurz davor war, künstlich ernährt werden zu müssen. "Sie hat sich gefragt: Wie geht's weiter? Was passiert mit mir? Muss ich sterben?"

Dabei stand Anina davor mitten im Leben. Sie hat ihr Abitur gemacht und beginnt einen Workaway-Auslandsaufenthalt in Irland. Dann infiziert sie sich im Oktober 2020 mit dem Coronavirus und liegt in Irland im Krankenhaus, isoliert in Quarantäne. "Wir waren froh, sie gerade noch mit dem letzten Flieger nach Deutschland holen zu können. Denn kurz danach wurde der Flugzeugverkehr eingestellt", erzählt ihr Vater.

Stefan Decker und seine Tochter Anina, als sie noch gesund war.

Stefan Decker und seine Tochter Anina, als sie noch gesund war. © privat

Damals ahnte keiner, wie lang ihr Leidensweg durch Post-Covid werden würde. Und sie ist nicht die Einzige: Viele Betroffene kämpfen noch Wochen und Monate nach ihrer Corona-Erkrankung mit schweren Beschwerden wie Kopf- und Nervenschmerzen, chronischer Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Atemnot und Erschöpfung. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leben in Europa aktuell etwa 36 Millionen Menschen, die davon betroffen sind.

Für Familie Decker aus Bamberg ist es eine Zeit voller Sorgen - und voller offener Fragen. Denn die Ärzte, die sie aufsuchen, wissen Anina nicht zu helfen. In unserem neuen Wissenschaftspodcast "Feldforschung" berichtet er, welche Erfahrungen er mit Ärzten gemacht hat, in welchen Patienten-Organisationen und Betroffenen-Vereinigungen er engagiert ist, was seiner Tochter bisher geholfen hat und wie es ihr heute geht. Auch erklärt er, wie er die Situation bei Therapien, bei der Forschung und in der Politik sieht.

Erste vielversprechende Ansätze - Details zur disCOVer-Studie an der Augenklinik des Universitätsklinikums

"Das ist eine sehr schwere Form, wie Herr Decker sie von seiner Tochter beschreibt", erklärt Dr. Bettina Hohberger, Molekularmedizinerin und Fachärztin für Augenheilkunde an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. "Es gibt die komplette Bandbreite bei Patienten, die Symptome variieren genauso wie der Schweregrad." Was macht bei Post-Covid krank? "Da ist die Jackpot-Frage", sagt sie. "Erst wenn wir wissen, was die molekularen Wege im Körper sind, die zur Erkrankung führen, was im Körper schief läuft, nur dann kann man das sichtbar machen, ein Diagnostikum, einen Krankenkassen-Schlüssel und gezielt darauf Therapien aufbauen."

Sie erklärt in der Podcast-Folge, was die Forschung über Betroffene weiß, welche ersten Ansätze vielversprechend sind, was sie antreibt und wie die Arbeit an der disCOVer-Studie an der Augenklinik des Universitätsklinikums aussieht.

Stefan Decker wünscht sich, dass die Gesellschaft erst einmal die Erkrankung versteht und akzeptiert. Betroffene würden fälschlich einfach als faul hingestellt. "Ich hoffe, dass die Stigmatisierung entfällt und sich ein Verständnis für die Erkrankung einstellt", sagt er. Vor allem hat er einen Wunsch: "Ich hoffe, dass meine Tochter wieder gesund wird und in dem Zuge auch die anderen Betroffenen."

Unser neuer Wissenschaftspodcast "Feldforschung" - Jeden zweiten Donnerstag

Faszinierend und hochspannend: Wissenschaft begleitet uns täglich im Alltag. Ob Medizin, Technik, Chemie, Biologie oder Psychologie: Neueste Erkenntnisse aus diesen Bereichen haben direkte Auswirkungen auf unser Leben. Und die nehmen wir unter die Lupe im neuen Reportage-Podcast „Feldforschung“, der diese Themen kurzweilig und unterhaltsam aufbereitet.

Alle zwei Wochen donnerstags widmen sich Lea-Verena Meingast und Jonas Volkert, Redakteure im Verlag Nürnberger Presse, einem Schwerpunkt-Thema pro Folge. Überraschend, unterhaltsam, auch mal kurios darf es zugehen bei „Feldforschung“.

Wir verlassen dabei das gewohnte Forschungsumfeld, Uni, Hörsaal oder Labor. Wir gehen mit Forschenden und Menschen, bei denen die Forschung mal ankommen soll, an mitunter unkonventionelle Orte in der Region und bringen sie miteinander in den Austausch. Da prallen schon mal Welten aufeinander!

Wir sind also mit fränkischen Forschern in freier Wildbahn unterwegs. Die Gäste schnuppern an Gewürzen, nehmen Schweinehirn unter die Lupe, beantworten Schätzfragen oder beweisen ihr Wissen im Quiz.

Jeden zweiten Donnerstag gibt's neue Folgen von Feldforschung von Jonas Volkert und Lea-Verena Meingast im Wechsel.

Jeden zweiten Donnerstag gibt's neue Folgen von Feldforschung von Jonas Volkert und Lea-Verena Meingast im Wechsel. © Fotos: privat / Grafik: Verlag Nürnberger Presse

Neugierig geworden? Um diese Themen geht es in den nächsten Folgen von "Feldforschung": Wie roch es in früheren Jahrhunderten und wie riecht unsere heutige Zivilisation?, fragen wir eine Forscherin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die sich mit Geruchs- und Geschmackssinn beschäftigt. Wie kommen Falten ins Gehirn? Das beantwortet eine Maschinenbau-Ingenieurin der FAU, die sich mit Mechanik in der Gehirnentwicklung beschäftigt und zur Früherkennung von Epilepsie und Schizophrenie forscht.

„Feldforschung“: Ab 28. März auf allen gängigen Podcast-Plattformen! Reinhören und sich überraschen lassen – und wer ein Herz für die Wissenschaft hat: Am besten direkt auf Spotify, Apple Podcast, Amazon Music, Deezer & Co. folgen und Bewertungen dalassen, um das Projekt zum Start zu unterstützen und keine neue Folge zu verpassen.

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